Reisebericht 2008

Reisebericht Dezember 2008/ Jänner 2009

Hilfsaktion für die Flutopfer von Manikjore. Verteilung von 1000 Decken. In Manikjore wird es  in den Wintermonaten bei Temperaturen um 50 Celsius ziemlich kalt. 

Am 21. Dezember 2008 flog ich von Wien via Delhi nach Kalkutta. Nach einer etwa 20- stündigen Reise kam ich in einem Kalkutta, kühler als gewohnt an.

Swami Aniruddhananda  und Tamali empfingen mich am selben Abend herzlichst bei Tee, es wurde die für nächsten Tag geplante Fahrt nach Manikjore besprochen.

Ich hatte aufgrund einer großzügigen Spende des Soroptimistinnen Clubs Steyr, etwa zwei Wochen zuvor 2000 Euiro überweisen können.

Tamali hatte dann in dieser Zeit bereits alles organisiert. Kostenvoranschläge eingeholt, mit den Händlern verhandelt und letztendlich nach Kauf, den Transport der Decken nach Manikjore organisiert Alles in Cooperation mit der kleinen NGO Seva Sengha, die wiederum vor Ort die Allerärmsten  identifizierte und mit einem Gutscheinsystem die Verteilung klug vorbereitete.

Am 23. Dezember morgens um 8.00 fuhren wir dann los. Verkehrsprobleme und Baustellen auf den Strassen hier sind ständig präsent und so auch diesmal. Mit 2-stündiger Verspätung erreichten wir Manikjore um etwa 14 Uhr wo, auf freiem Feld vor einer improvisierten Tribüne eine Menschenmenge von Hunderten von Menschen seit Stunden wartete.

Beim Anblick der wartenden Menschen verschoben wir das  Mittagessen. Nach einem kurzen Treffen mit einem hohen Politiker des Gebietes, etwa vergleichbar dem Landeshauptmann, der zu dieser Veranstaltung angereist war, Vertretern der NGO Seva Sengha und Vertreterinnen der Frauenselbsthilfegruppen gings auf die Tribüne.

Neben den fast tausend Menschen erwarteten uns auch noch 70 Schüler, die Federpennale erhalten sollten, gespendet von Schulkinder aus Wolfern und Steyr.

Nach der offiziellen Begrüßung - wurde zuerst die Verteilung der 70 Federpennale an die Hauptschüler vorgenommen. Die Kinder zeigten ihre Dankbarkeit, indem sie sich vor uns nieder beugten.Wie schön war es doch zu beobachten, wie die Schüler sobald sie auf ihre Plätze zurückgekehrt waren den Inhalt ihrer Pennale genau betrachteten. Erstaunen und große Freude zeichnete sich auf ihren Gesichtern ab. Diese Freude zu beobachten war wirklich Weihnachten.

 Dieses Danke geht an die Kindern der VS Wolfern und der Rudigierschule Steyr, die durch ihr Mitgefühl Kindern ihres Alters tausende Kilometer entfernt so viel Freude bereiten.

Anschließend ging es an die Verteilung der Decken. Herzberührend war die Dankbarkeit und das Gefühl das uns von Hunderten einzelnen Menschen entgegenströmte.....  dieses Gefühl gebührt zur Gänze den Damen des Soroptimistinnen Clubs Steyr für Ihr Bemühen für diese Menschen.

Ein kurzer Blick aus/in Augen, die ausdrücken Dankbarkeit, Hoffnung, Müdigkeit und immer wieder Dankbarkeit.  Menschen herausgefordert von  einer Lebenssituation, in der  alle nur auf sich allein und ihre Nachbarn gestellt waren - und nun unglaublich. Es kommt Hilfe von außen. Von Österreich, ein Name den alle diese Menschen wohl zum ersten Mal in ihrem Leben hören. Aber sie sehen, sie hören und sie halten sie in ihren Händen. Die Hilfe von außen und dieses Wissen wärmt vielleicht mehr als die Decke in ihren Händen. 

Gleich fiel es mir nicht auf - vielleicht auch wegen der  Außergewöhnlichkeit der Situation. Doch dann sah ich es. Wie dünn die Arme der Frauen, die sich wie Äste unter den Saris hervorstreckten um die Decken entgegen zu nehmen, doch waren. Wie hohlwangig die Gesichter und wie verzweifelt oder auch unendlich müde, der Ausdruck der Augen in eben diesen Gesichtern. Bemerkenswert  bei all der Armut und dem Schlamm rundum, wie sauber  auch die einfachsten ärmlichsten Saris sind. Immer wieder auch Füße, unbeschuht trotz der Kälte, Menschen, die nicht einmal 1 Euro Slipper kaufen können.

Das war  ein Augenblick, in dem ich wünschte, viel, viel  Geld zu haben. Dann und wann kamen  die Menschenmassen in Wogen vor zur Tribüne. Bewegt von Verzweiflung und zweifelnd daran dass auch sie / er jemals eine Decke erhalten würde. Die Verteilung nahm Stunden in Anspruch.

Jeder erhielt eine Decke machte sich zu Fuß oder mit dem Fahrrad auf den vielen Kilometer langen Heimweg. Viele Menschen werden erst spätabends ihre " Hütte" erreicht haben.

Auch wir zogen uns jetzt müde in das Gebäude von Seva Sengha zurück und man servierte uns unser Mittagessen.

Und  wir waren uns  auch bewusst, dass tausende und zigtausende Menschen, die diese Decken ebenso bitter benötigt hätten, leer ausgegangen waren.

In den darauf folgenden Gesprächen mit Mitarbeitern von Seva Sengha tauchte auch immer wieder die prekäre Situationen der Grundschulen in Manikjore und auch im Nachbardorf Itaberia auf. Wir mussten jedoch nunmehr an die Rückfahrt denken, wollten wir nicht riskieren auf schmalsten, unbefestigten Straßen ohne Beleuchtung unterwegs zu sein.

Besuch der Volksschulen Manikjore und Itaberia

In den darauffolgenden Tagen beschlossen Tamali und ich nochmals nach Manikjore zurückzufahren um uns von den Situationen der Schulen direkt vor Ort ein Bild zu machen.

Am 3. Jänner fuhren wir dann nochmals nach Manikjore. Wir wurden von Kinder die Spalier standen empfangen und mit Blütenblättern überhäuft. Trotz aller Armut besitzen die Bengalen einen Sinn für Aesthetik - Blumen gehören zu dem wenigen, das sie geben können. Und dies tun sie immer wieder und mit Herzlichkeit.

Wir wurden dann den Lehrern vorgestellt, die alle seit der Gründung vor 10 Jahren, an der Schule sind.

Dann gings ab ins Klassenzimmerprovisorium. Seit die Flutkatastrophe im Juni 2008 die Volksschule gänzlich weggeschwemmt  hatte,  erhalten die 125 Kinder im Gebäude der NGO Seva Sengha Unterricht. An vielen Tagen wird der Raum jedoch von den Selbsthilfegruppen benötigt, und an diesen Tagen muss der Unterricht dann entfallen.

Für diesen Samstag hatten die Kinder extra ein Programm mit Gedichten, Liedern, Zeichnungsvorführungen einstudiert- mehr als zwei Stunden strengten sie sich mit vollem Einsatz an, uns zu unterhalten.

Während der gesamten Zeit blieben die Schüler aufmerksam und leise. Die Kleinen waren so stolz, als sie uns ihr Programm boten und wir waren von so viel Unschuld und Bemühen im Innersten berührt.

Bei einem anschließend Endgespräch mit den Lehrern bekamen wir einige Hintergrundinformation zur Schule und den Schulkindern.

Der tägliche Schulbetrieb ist von 10.00 bis 16.00 Uhr.

Gegründet wurde die Schule von Frauen der Selbsthilfegruppen. Da sie für sich selbst die Bedeutung der Bildung erkannt hatten, ergriffen sie die Eigeniniatiative und gründeten selbst eine Schule. Sie sparten sich und sparen sich noch heute im wörtlichen Sinn  jede Rupie vom Mund ab um ihren Kindern Bildung ermöglichen zu können.Durch die Flut ist  die Situation jetzt noch verschlimmert

Die Lehrer werden von den Eltern bezahlt, der Transport mit dem "Schulbus" einer Fahrradrikscha, sowie Hefte und Bleistifte müssen von den Eltern bezahlt werden. Die meisten der Kinder sind so arm, dass sie auch ohne Schuhe zur Schule kommen.

Schlimmer noch, den meisten Eltern fehlt das Geld ihren Kindern in die Schule mitzugeben etwas zu essen mitzugeben. So bleiben die kinder 6 -7 Stunden in der Schule ohne Essen und  der Schulweg dauert vielleicht auch noch eine halbe Stunde. Diese Kinder erhalten dann erst am Abend, wenn auch die Eltern von der Feldarbeit heimkehren einen Teller Reis mit Gemüse oder auch nur einen Teller Reis und Salz. Verschärft ist die Situation durch die weitreichenden Ernteausfälle verursacht durch die Flut, infolge dessen Taglöhner haben kaum Arbeit.

So baten uns die Lehrer doch etwas zu tun für ihre Schüler und Schülerinnen. Das Wichtigste meinten Sie wäre, wenn wir die Kinder in der Schule mit einer Mahlzeit versorgen könnten.

Nicht viel anders sah es in der Itaberiaschule aus, auch hier dasselbe Bild der Armut, keine Schulmaterialien, viele Schüler sitzen am Betonboden über dem Plastikplanen ausgebreitet werden. Die Ältern haben Bänke und schmale Tische sind aber zu 20 in kleinste Räume eingepfercht. Für diese Schule hier geht  es ums Überleben, dass sie nicht geschlossen werden muss. Die Lehrer werden auch hier  von den Eltern bezahlt und durch die Überschwemmung haben diese alles verloren. Die Bezahlung der Lehrergehälter ist schon mehrere Monate ausständig. Ein Spender aus Österreich hat nun  für 2 Monate die Lehrergehälter bezahlt  Monatliche Beträge von 10 -20 Rupien ca-15-30 Cent für viele Familien nicht aufzubringen. Ein Lehrergehalt beträgt etwa 600-900 Rupien also 10 -15 Euro/ Monat.

Und auch hier fällt wieder die berührende Begrüßung auf, es werden uns Rosenblüten überreicht und selbst gestaltete Billets. Und natürlich müssen wir im Konferenzzimmer, das man kaum als solches erkennen kann, Tee trinken. Die Direktorin schildert in einem Kauderwelsch aus Englisch und Bengali (was weiter kein Problem ist, da ja Tamali an meiner Seite ist) die massiven Probleme.

Itaberia ist etwa 8 -10 km von Manikjore entfernt. Und auch hier dasselbe Bild wie in Manikjore vielleicht noch ein bisschen schlimmer, noch mehr Armut und noch mehr Kinder, die mit noch weniger Infrastruktur ihr Auslangen finden müssen. Auch hier wieder, dass die Kinder nicht genug zu essen haben. Aber wir können nicht so viel helfen .... und so sehr es Tamali und mich auch schmerzt wir können nicht die Zusage geben alle 400 Kinder mit Essen zu versorgen.

So wird entschieden wenigsten für die kleineren Kinder zwischen 4 -7 Jahren deren Zahl sich etwa auf 175 beläuft ein Essensprogramm einzurichten. Dabei haben wir  immer auch im Hinterkopf, dass ungenügende Ernährung auf die geistige Entwicklung ungünstige Auswirkungen hat.

Das Ergebnis des Besuches der Schulen von Manikjore und Itaberia ist folgendes:

Wir beschließen mit unseren vorhandene Geldressourcen von 750 Euro aus Österreich und Spenden von Tamalis Freunden  aus Indien für die Kinder an beiden Schulen ein Ernährungsprogramm zu starten. Wir wissen auch, dass mit dem  vorhandenen Geld das Programm vorerst nur für 3 Monate gesichert ist. Unser Ziel ist es zumindest für ein Jahr das Programm am Leben zu erhalten.

Das Ernährungsprogramm wurde mit 1. März 2009 an den Volksschulen Manikjore und Itaberia  gestartet.

Bitte sehen sie auch das Paramaprojekt, das zur Zielsetzung hat nachhaltige sozio -ökonomische Verbesserungen herbeizuführen.